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Ein einfacher Brief

Hallo Yvonne, Hallo Jean-Pierre,

ich möchte mich recht herzlich für die Mail bedanken. Als ich auf eurer Seite war, sind einige Gefühle in mir hoch gekommen. Ihr habt bereits so viel geleistet und sucht immer noch unermüdlich nach Knochenmarkspendern für an Leukämie erkrankte Menschen.Immer wieder höre und lese ich Kommentare dazu wie:"Wenn jemand aus meiner Familie daran erkranken würde, würde ich vielleicht darüber nachdenken.""Damit will ich mich nicht auseinandersetzen.""Warum soll ich denn dieses Risiko eingehen?"So etwas macht mich unendlich traurig, denn Julia ist dieses Risiko wert. Julia ist erst 16 Jahre und vor drei Jahren an ALL (akute lymphatische Leukämie) erkrankt. Meine Schwester mußtes ich damit auseinandersetzen, ob sie wollte oder nicht. Sie hat ganz schnell erfahren, was esbedeutet Leukämie zu haben. Obwohl sie erst 13 Jahre alt war, hatte sie nur noch ein ganz großes Ziel: sie wollte wieder gesund werden. Sie quälte sich mit der Chemotherapie und konnte die Schmerzen nicht an die Seite legen, wie ein Buch, auf das man keine Lust mehr hat. Immer wiederkam etwas Neues dazu, aber Julia hat gekämpft und sie hat ihren eigenen Kampf gewonnen. In der ganzen Zeit hat sie viele Freunde verloren. Plötzlich waren sie einfach nicht mehr da.Und dann kam der Rückfall. Wieder die Chemotherapie, doch diesmal war die Leukämie hartnäckiger.Sie bekam einen Pilz an der Lunge und Infiltrate an der Niere. Eine Niere wurde entfernt und die andere drohte zu versagen. Für Julia hieß es, alle zwei Tage zur Nierenunterstützung an dieDialyse, aber sie beklagte sich nicht. Nur ein Knochenmarkspender hätte helfen können. Aus derFamilie kam keiner in Frage. Ich nicht, meine Schwester nicht und unsere Eltern auch nicht. Es begann die fieberhafte Suche und Julia war voller Hoffnung. "Bei so vielen Menschen, ist bestimmt einer für mich dabei." sagte sie immer.Meine Schwester hat sich geirrt. Heute haben wir sie nach Hause geholt, denn aus ihrem Ziel "gesund zu werden" ist nun ein ganz anderer geworden. Sie will nicht in der Klinik sterben,sondern zuhause. Wir begleiten sie nun auf ihrem letzten Weg, denn für Julia war kein passenderKnochenmarkspender dabei. Nun ist es zu spät.Liebe Yvonne, lieber Jean-Pierre, ich weiß, dass ihr mit eurer Hilfe vielen Menschen helfenwerdet. Ich weiß, wie verzweifelt Eltern und auch Geschwister sein können, denn für Julia war dieser eine Spender nicht da. Julia wird an der Leukämie sterben, aber viele werden es schaffen,weil sich dank euch so viele Menschen typisiert haben lassen.Ich danke euch auch für die aufbauenden Worte, auch wenn der Schmerz derzeit fast unerträglich ist. Der Gedanke, Julia zu verlieren, tut so weh.Bitte gebt die Suche nie auf.

Vielen Dank, für so viel Engagement.Herzliche Grüße, Tim ( 12.09.05 )

Die Leukämie war stärker. Am 15.09.05 ist Julia für immer eingeschlafen. Sie wurde nur 16 Jahre.

 

 

 

 

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